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3. Holocaust-Gedenkgottestdienst 2017

„Wir gedenken heute der zahllosen Opfer, die durch die Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Vor 72 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau befreit, das seitdem sinnbildlich nicht nur für den systematischen Massenmord, sondern auch für jede einzelne grausame Tat gegen jene Menschen steht, die für schuldig erklärt wurden, weil sie Juden waren. Auschwitz steht stellvertretend für alle Vernichtungslager der Nationalsozialisten und für den Holocaust an den Juden.“

Mit diesen Worten eröffnete Desirée Domaß, Schülerin unserer Qualifikationsphase, die Gedenkfeier zum 3. Holocaustgedenktag 2017. 

Zu der Veranstaltung hatte der Arbeitskreis „Stolpersteine“ gemeinsam mit der St. Vincenz-Gemeinde eingeladen und mit Schüler/innen der Eichendorffschule, der Realschule und des Gymnasiums Anna-Sophianeum einen würdigen Rahmen geschaffen, um der Opfer des nationalsozialistischen Gewaltregimes zu gedenken. Opfer, die durch das Schicksal des jüdischen Studenten Joachim Esberg aus Wolfenbüttel ein Gesicht bekamen. Über sein schreckliches Schicksal, das stellvertretend für so viele Opfer des Holocaust steht, berichtete Christopher Boog, der die Oberstufe des Gymnasiums Anna-Sophianeum besucht.

Als sich 1933 der Hass und die Aggressivität gegen die jüdische Bevölkerung immer mehr steigerten, schickten die Eltern ihren Sohn Joachim zum Studium ins noch sichere Belgien. Jedoch wurde er dort 1940 nach dem Überfall der Deutschen Wehrmacht verhaftet, mit anderen jüdischen Gefangenen in das große Sammel- und Transitlager Drancy bei Paris gebracht und unter menschenunwürdigen Bedingungen eingesperrt. Mit zehntausenden Juden wurde er nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. 

1937 kaufte Joachim Esberg in Gent ein Notizbuch, in das er etwa 50 selbstverfasste Gedichte eintrug. Diese Verse geben auf bewegende, ja geradezu erschütternde Weise Einblick in seine Gedanken und Gefühle. Angst, Leid, tiefe Traurigkeit und Einsamkeit spiegeln sich darin wider, doch gelegentlich blitzt auch Hoffnung auf. Lore Schloss, Joachim Esbergs jüdische Freundin aus der gemeinsamen Zeit in Wolfenbüttel, flüchtete 1939 nach England. Zwei junge Menschen, die sich liebten doch voneinander getrennt waren, schrieben sich Briefe von Ihren Ihnen von den Nationalsozialisten aufgezwungenen Wegen. Schüler der Eichendorffschule und der Realschule trugen aus diesen bewegenden Gedichten und Briefen Auszüge vor.

Musikalisch wurde der Gedenktag umrahmt mit den einfühlsamen Klezmerklängen von Jenifer Ly und Vincent Eckhof auf ihren Klarinetten das Gedenken. Franziska Gashi präsentierte begleitet von ihrem Lehrer ein Vortragslied. 

Zuletzt trug Muriel Kühl, die den 10. Jahrgang des Gymnasiums Anna-Sophianeum besucht, auf dem Klavier ein Lied mit eindringlichem Appell vor, das sie selbst komponiert hatte.

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